Der Termin läuft immer gleich ab
Sie werden ins Büro eingeladen, und das Büro ist schön. Auf dem Tisch stehen Wasser in Glasflaschen, Espresso und eine Schieferplatte mit Schnittchen. Man begrüßt Sie freundlich, zeigt Ihnen die Räume, stellt das Team vor. Dann kommt die Präsentation, und irgendwo zwischen Folie sieben und zwölf fällt ein Satz, der Sie später einen vierstelligen Betrag kostet — freundlich verpackt, in einem Ton, in dem Widerspruch unhöflich wirkt.
Das ist kein Betrug. Die Leistung dahinter ist echt, die Leute arbeiten wirklich. Das Problem ist die Sprache: Sie verschleiert, an welcher Stelle aus einer Idee eine Position auf der Rechnung wird. Und wer das Vokabular nicht kennt, merkt es erst, wenn das Angebot kommt.
Deshalb hier die Übersetzung: Klicken Sie einen Begriff an, dann steht daneben, was gemeint ist — und die Frage, mit der Sie es überprüfen. Die orange markierten Sätze sind die, hinter denen unmittelbar Kosten stecken.
Die Klassiker
Sätze, die Geld kosten
„Bevor wir gestalten, müssen wir Ihre Brand DNA schärfen.“
Wir möchten einen bezahlten Workshop vorschalten, bevor irgendetwas Sichtbares entsteht. Das kann sinnvoll sein — bei einem Betrieb, der seit dreißig Jahren dieselben Kunden beliefert, ist die Marke aber meistens längst da. Sie heißt nur nicht Brand DNA, sondern Ruf.
Was liegt am Ende dieses Workshops auf dem Tisch, das ich einem Kunden zeigen kann?
„Im ersten Schritt geht es darum, Awareness aufzubauen.“
Sie werden bekannter, aber es ruft niemand an. Bekanntheit ist ein legitimes Ziel — im Konsumgütergeschäft. Wenn Ihr Markt aus zweihundert Firmen besteht, können Sie diese zweihundert auch direkt anrufen.
Woran messen wir das, und ab wann sollen daraus Anfragen werden?
„Wir denken die gesamte Touchpoint-Journey Ihrer Zielgruppe.“
Wir schauen uns an, wo Ihr Kunde überall mit Ihnen in Berührung kommt. Dahinter steckt ein richtiger Gedanke: Messe, Website, Angebot und Rechnung sollten zusammenpassen. Nur wird daraus oft ein Projekt, das ein Quartal dauert, bevor irgendetwas davon besser wird.
Welchen dieser Berührungspunkte fassen wir zuerst an, und was kostet genau dieser?
„Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz.“
Wir möchten alle Gewerke übernehmen. Das ist bequem, solange die Leistung stimmt — es ist aber auch der Satz, mit dem aus einer Produktmappe ein Jahresetat wird.
Können wir mit einem Gewerk anfangen und nach drei Monaten schauen, ob wir zusammenpassen?
„Welchen Purpose hat Ihr Unternehmen?“
Warum gibt es Sie, jenseits vom Geldverdienen? Bei Konsummarken zieht die Frage. Bei einem Hersteller von Anbauverdichtern lautet die ehrliche Antwort: Wir bauen gute Geräte, liefern pünktlich und gehen ans Telefon. Das ist kein Purpose-Defizit, das ist das Geschäft.
Hilft die Antwort dabei, dass mich mehr Einkäufer anrufen?
„Nächste Woche starten wir in die Ideation-Phase.“
Wir sammeln Ideen. Das ist Arbeit und darf etwas kosten — nur klingt Ideation nach einem eigenen Gewerk, obwohl es das Nachdenken vor dem Anfangen ist.
Wie viele Tage sind dafür angesetzt, und was ist das Ergebnis?
„Da müssten wir nochmal in einen Deep Dive gehen.“
Wir brauchen noch einen Termin. Manchmal zu Recht — oft aber, weil im ersten Gespräch niemand die richtigen Fragen gestellt hat.
Was genau fehlt Ihnen, und kann ich das schriftlich liefern statt in einem Termin?
„Dafür setzen wir ein regelmäßiges Sparring auf.“
Wir treffen uns wiederkehrend, und diese Termine werden abgerechnet. Regelmäßiger Austausch ist gut — aber er sollte einen Anlass haben und kein Abonnement sein.
Was passiert in diesen Terminen, das nicht in zehn Minuten am Telefon ginge?
„Wir arbeiten agil, deshalb können wir jetzt noch keinen Festpreis nennen.“
Der Umfang bleibt offen und damit auch der Preis. Agil ist eine sinnvolle Arbeitsweise für Software mit unklarem Ziel. Eine Produktmappe mit zehn Geräten ist kein unklares Ziel.
Können Sie mir den ersten Abschnitt zum Festpreis anbieten?
„Der Roll-out erfolgt dann in Phase drei.“
Irgendwann wird das Ergebnis tatsächlich benutzt. Der Begriff verschiebt den Zeitpunkt, an dem Sie etwas in der Hand halten, gern nach hinten.
An welchem Datum ist das erste Stück fertig und im Einsatz?
„Daraus entwickeln wir Ihnen ein Lookbook.“
Aus ein paar Icons, zwei Farben und einer Schrift wird ein gebundenes Handbuch mit vierzig Seiten. Ein Gestaltungsleitfaden ist nützlich, wenn mehrere Leute Material erstellen. Hat Ihre Firma zwei Personen im Marketing, reicht eine Seite mit Farbwerten, Schriften und Logo-Abständen.
Wer im Haus arbeitet damit — und reicht dafür nicht eine Übersicht auf einer Seite?
„Das nehmen wir gerne mit auf.“
Der freundlichste Satz mit Preisschild. Aufgenommen wird der Wunsch — abgerechnet wird er als Zusatzposition, die im nächsten Angebot auftaucht, ohne dass jemand von Mehrkosten gesprochen hätte.
Kommt das ins vereinbarte Budget oder obendrauf? Bitte kurz schriftlich.
„Dafür machen wir Ihnen erstmal ein Konzept.“
Vor dem Ergebnis kommt eine bezahlte Vorstufe. Bei komplexen Projekten ist das berechtigt. Nur endet die Konzeptphase oft mit einem Dokument, das Sie niemandem zeigen können — und die eigentliche Arbeit beginnt danach.
Was kostet das Konzept, und wird es angerechnet, wenn wir die Umsetzung beauftragen?
„Am besten setzen wir dafür einen Workshop auf.“
Tagessatz mal Anzahl der Teilnehmer, plus Vorbereitung, plus Dokumentation. Ein Workshop mit vier Agenturköpfen im Raum ist der teuerste Weg, Dinge zu klären, die zwei Leute am Telefon auch klären könnten.
Wer sitzt da mit drin, und was kostet der Tag insgesamt?
„Wir empfehlen, mit einer Discovery-Phase zu starten.“
Wir arbeiten uns in Ihr Geschäft ein, und Sie bezahlen die Einarbeitung. Ein gewisses Maß gehört dazu. Wenn die Einarbeitung aber ein eigenes Projekt mit eigenem Budget wird, zahlen Sie dafür, dass jemand Ihre Branche kennenlernt.
Wie viel davon ist Recherche, die ich mit einem halben Tag Werksführung ersetzen kann?
„Für den Feinschliff planen wir noch eine Schleife ein.“
Eine zusätzliche Korrekturrunde, die im Angebot nicht enthalten war. Klären Sie vorher, wie viele Runden dabei sind — sonst wird aus jeder Änderung eine Position.
Wie viele Korrekturrunden sind im Preis enthalten?
„Die Reinzeichnung ist im Kreativbudget natürlich nicht enthalten.“
Der Entwurf ist fertig, aber die druckfertige Datei kostet extra. Das ist der Klassiker im Printgeschäft: Sie haben ein schönes PDF, aber nichts, was eine Druckerei annimmt.
Was kostet die Datei, mit der ich tatsächlich in den Druck gehen kann?
„Die Bildsprache entwickeln wir in einem separaten Schritt.“
Fotoshooting, Bildkonzept und Nutzungsrechte kommen obendrauf — oft in der Größenordnung des Gestaltungsbudgets. Nachfragen lohnt besonders bei den Rechten: Manche Verträge erlauben nur ein Jahr Nutzung.
Gehören mir die Bilder danach unbefristet und für alle Kanäle?
„Für die Erfolgskontrolle empfehlen wir ein monatliches Monitoring.“
Eine laufende Gebühr für einen Bericht. Berichte sind richtig und wichtig — die Frage ist, ob dafür ein eigenes Paket nötig ist oder ob es zur laufenden Betreuung gehört.
Was steht in diesem Bericht, das ich nicht selbst in fünf Minuten sehen kann?
„Für diese Änderung müssten wir nochmal ins Briefing gehen.“
Ihr Änderungswunsch gilt als neue Aufgabe. Manchmal stimmt das. Manchmal ist es die Antwort darauf, dass im ersten Briefing nicht sauber gefragt wurde — und Sie zahlen für die Lücke.
Stand das nicht im ursprünglichen Auftrag? Zeigen wir kurz gemeinsam ins Angebot.
Zwanzig Begriffe, zwei Kategorien. Nicht jeder davon ist Unsinn — die Aufgabe ist, das eine vom anderen zu trennen.
Warum diese Sätze überhaupt fallen
Bevor Sie das für Geldgier halten: Rechnen Sie einmal mit. Eine Agentur mit acht Leuten und einem schönen Loft in der Innenstadt hat einen Kostenblock, der jeden Monat pünktlich fällig wird — unabhängig davon, ob gerade Aufträge da sind.
Beispielrechnung
Was so ein Haus im Monat kostet
Eine Agentur mit acht Mitarbeitern und Loft in Innenstadtlage. Marktübliche Größenordnungen, keine echten Zahlen eines bestimmten Hauses.
Acht Gehälter
40.000 €
Kreation, Text, Beratung, Projektsteuerung — mit Arbeitgeberanteil
76,1 %
Loft in der Innenstadt
5.500 €
rund 280 m² mit Besprechungsraum und Küche, plus Nebenkosten
10,5 %
Software und Lizenzen
1.400 €
Creative Cloud, Projektwerkzeuge, Schriften, Bilddatenbanken, KI-Werkzeuge
2,7 %
Technik
850 €
Rechner, Monitore, Tablets — auf drei Jahre umgelegt
1,6 %
Neugeschäft
1.500 €
eigene Website, Messen, Wettbewerbsbeiträge, Präsentationen
2,9 %
Verwaltung
1.200 €
Versicherungen, Steuerberatung, Buchhaltung
2,3 %
Der Rest
2.100 €
Reinigung, Getränke, Fortbildung, Reisen — und die Schnittchen
4,0 %
Jeden Monat, bevor ein einziger Euro verdient ist
52.550 €
Von diesen acht Personen sind vielleicht sechs überhaupt abrechenbar; die übrigen führen, verwalten und akquirieren. Wer ehrlich rechnet, kommt bei einer guten Auslastung auf etwa sechshundert verkaufbare Stunden im Monat. Damit allein die Kosten gedeckt sind, muss jede dieser Stunden rund 85 Euro einbringen — bevor irgendjemand Gewinn gemacht, eine Rücklage gebildet oder einen Urlaub bezahlt hat. Deshalb liegen die Stundensätze solcher Häuser bei 120 bis 150 Euro.
In Kundschaft übersetzt heißt das: Es braucht dauerhaft zwei bis drei größere Projekte in der Mache — ein Corporate Design mit Website liegt schnell bei 25.000 Euro über ein Quartal — plus vier bis fünf Kunden mit laufendem Etat. Zusammen also etwa zehn bis zwölf aktive Kunden, jeden Monat aufs Neue. Fällt einer davon aus, ist das Loch zwölf Wochen später da, weil Projekte diese Vorlaufzeit haben.
Aus dieser Rechnung kommen die Sätze aus der Liste oben. Der Workshop, die Konzeptphase, das freundliche „das nehmen wir gerne mit auf“ — das sind Werkzeuge zur Auslastung. Bosheit steckt selten dahinter, eher der Monatsletzte, an dem 52.000 Euro fällig werden. Wer einmal Löhne für acht Leute überwiesen hat, während zwei Kunden ihre Rechnungen verspätet zahlen, versteht den Reflex.
Nur ändert das nichts an Ihrer Seite der Rechnung. Sie zahlen mit, was das Haus kostet — das Loft, die Wettbewerbsbeiträge, den Empfang. Das kann sich lohnen, wenn Sie genau diese Leistung brauchen: ein großes Team, das eine Markenkampagne über zwölf Monate stemmt. Es lohnt sich nicht, wenn Sie eine Produktmappe und einen funktionierenden Vertrieb brauchen.
Wir sind deshalb bewusst anders gebaut: kleine Struktur, kein repräsentatives Büro, feste Partner statt Festangestellte für Spitzen. Das hat auch Grenzen — eine Kampagne mit Filmproduktion und zehn Beteiligten könnten wir nicht stemmen, und dann sagen wir es. Aber es heißt, dass in unserer Rechnung keine Innenstadtmiete steckt, die Sie mitbezahlen.
Woran Sie erkennen, dass es echte Arbeit ist
Um nicht falsch verstanden zu werden: Vieles davon ist berechtigt. Ein Konzept ist Arbeit. Ein Workshop kann eine Woche Abstimmung sparen. Reinzeichnung ist ein eigenes Handwerk, und wer sie kann, soll dafür bezahlt werden. Der Unterschied liegt nicht darin, ob etwas kostet, sondern ob es vorher gesagt wird.
Ein gutes Angebot beantwortet drei Dinge, ohne dass Sie fragen müssen: Was genau bekomme ich, wann, und was kostet es insgesamt. Steht das nicht drin, ist es kein Angebot, sondern eine Einladung zum Nachverhandeln.
Der zweite Prüfstein ist die Reaktion auf Ihre Gegenfrage. Wer sagt „gute Frage, das schreibe ich Ihnen morgen mit Preis“, ist ein sauberer Partner. Wer ausweicht, mit Begriffen antwortet oder Ihnen erklärt, warum sich das so nicht beziffern lässt, wird auch beim dritten Nachtrag ausweichen.
Wie wir es halten
Wir haben keine Schnittchen. Erstgespräche laufen bei uns am Telefon, meist zwanzig Minuten, und danach bekommen Sie ein Angebot auf einer Seite mit einem Festpreis. Was nicht drinsteht, wird nicht berechnet. Ändert sich der Umfang, sagen wir es vorher und schriftlich.
Das ist kein moralischer Vorsprung, sondern eine Entscheidung: Wir verkaufen an Betriebe, die selbst Angebote mit Positionen und Preisen schreiben. Wer gewohnt ist, eine Maschine mit Stückliste anzubieten, erwartet dasselbe von seinem Dienstleister. Unsere Preise stehen deshalb offen auf der Preisübersicht — auch die, bei denen wir teurer sind als der Wettbewerb.
Und wenn Ihnen bei uns ein Satz begegnet, den Sie nicht sofort verstehen: Fragen Sie nach. Wenn wir ihn nicht in einem Satz erklären können, war es der falsche Satz. Mehr dazu, warum wir auch sonst anders auftreten als üblich, steht im Bürohund-Text.
Genug gelesen. Jetzt wird gemacht.
Zwanzig Minuten am Telefon, danach ein Angebot auf einer Seite. Ohne Schnittchen.