06028 40 79 457
Anbaugerät auf dem Werkshof zwischen Paletten und Gabelstapler

Praxis · Bildmaterial

Ihre Handyfotos
sind gut genug.

Fast jedes Projekt startet mit einem Ordner voller Werkshof-Bilder. Was wir daraus machen können, was nicht — und wie Sie in zwei Minuten bessere Aufnahmen bekommen.

Die häufigste Frage am Anfang

Wir brauchen Bilder, aber wir haben nur Handyfotos. Der Satz kommt in fast jedem Erstgespräch, meistens entschuldigend. Die Antwort ist fast immer dieselbe: Schicken Sie sie trotzdem. Aus einem Ordner Werkshof-Bilder sind bei uns schon 42 Seiten Produktprospekt geworden.

Das Handy ist nicht das Problem. Aktuelle Diensthandys lösen hoch genug auf für eine Doppelseite in A4. Was Bilder unbrauchbar macht, sind zwei andere Dinge, und die haben nichts mit der Kamera zu tun.

Problem eins: der Hintergrund

Das Gerät steht auf dem Hof, und mit drauf sind ein halb offenes Rolltor, ein fremder Transporter, eine Palette Verpackungsmaterial und ein Stapel Reifen. Auf dem Foto sieht das nach Alltag aus. Auf einer Prospektseite sieht es nach Unordnung aus, und der Blick des Betrachters bleibt an der falschen Stelle hängen.

Das lässt sich beheben. Wir stellen das Gerät frei, arbeiten Kanten und Hydraulikleitungen nach und setzen es auf einen neuen Untergrund. Für Anwendungsbilder fotografieren wir die Untergründe selbst — Schotter, Asphaltkante, frisch verdichteter Wegebau. Danach sieht es nicht nach Freisteller aus, weil Schattenwurf und Bodenkontakt neu aufgebaut sind.

Problem zwei: das Licht

Mittags in die Sonne fotografiert, eine Hälfte der Maschine im harten Schatten, die andere ausgebrannt. Da fehlt Information, und was nicht im Bild ist, kann auch niemand herausrechnen. Ein aufgehellter Schatten wird grau und rauscht, eine ausgebrannte Fläche bleibt weiß.

Was wir reparieren können

  • Störender Hintergrund, fremde Fahrzeuge, Gerümpel im Bild
  • Schiefe Horizonte und stürzende Linien
  • Farbstiche aus Hallenbeleuchtung, ungleiche Farbtöne über mehrere Motive
  • Fehlender Schattenwurf nach dem Freistellen
  • Kleine Blessuren am Gerät, Aufkleber, Schmutzränder
  • Auflösung, solange das Motiv formatfüllend aufgenommen wurde

Was nicht mehr zu retten ist

  • Bewegungsunschärfe. Aus der Hand bei wenig Licht geschossen. Unschärfe lässt sich nicht zurückrechnen, da ist keine Kante mehr da.
  • Ein zu kleines Motiv. Das Gerät steht als Briefmarke am Bildrand, drumherum Hof. Wer das herausvergrößert, bekommt Pixelbrei.
  • Die falsche Perspektive. Von schräg oben aus zwei Metern Entfernung wirkt jedes Anbaugerät gedrungen. Das ist Geometrie, keine Bildbearbeitung.
  • Die verdeckte Seite. Wenn die Anschlussseite auf keinem einzigen Bild zu sehen ist, fehlt sie eben. Das merkt man erst beim Satz, und dann steht das Gerät wieder in der Halle.

Zwei Minuten für deutlich bessere Fotos

Wenn Sie den Meister ohnehin losschicken, geben Sie ihm das mit. Es kostet keine Ausrüstung und macht den Unterschied zwischen brauchbar und aufwendig.

  • Bewölkter Tag oder Schatten. Weiches Licht ist das Beste, was Sie umsonst bekommen. Pralle Mittagssonne ist der schlechteste Zeitpunkt.
  • Freie Fläche suchen. Fünf Meter Abstand zu allem anderen. Eine leere Hofecke schlägt jede nachträgliche Retusche.
  • Auf Gerätehöhe gehen. In die Hocke, Kamera auf halber Höhe des Geräts. Von oben herab wirkt es immer kleiner, als es ist.
  • Zwei Schritte zurück, dann formatfüllend. Nicht digital zoomen, sondern näher rangehen. Rundherum etwas Luft lassen, damit wir beschneiden können.
  • Einmal rundherum. Vier Seiten, dazu die Anschlussseite und ein Detail der Aufnahme. Lieber zwanzig Bilder zu viel als eine zweite Anfahrt.
  • Nichts nachbearbeiten. Keine Filter, nicht zuschneiden, nicht per Messenger schicken. Originale bitte, sonst ist die halbe Auflösung schon weg.

Wann sich ein Fototermin lohnt

Bei einem Flaggschiff, das über Jahre die Titelseite trägt, ist ein Fotografentag gut angelegt. Bei zehn Gerätetypen für einen Katalog rechnet er sich selten: Wir hätten die Geräte an einem Tag am selben Ort gebraucht, und genau das geht im laufenden Betrieb nicht.

Deshalb ist der Weg über vorhandene Bilder in der Industrie meistens der richtige. Er ist nicht der Kompromiss, für den ihn viele halten — er ist der Weg, der überhaupt zu einem vollständigen Programm führt.

Ein Beispiel

Für einen Hersteller von Anbauverdichtern lagen Handyfotos von Baustelle und Werkshof, eine Liste technischer Daten und ein Logo als verpixelte Bilddatei vor. Daraus sind 42 Seiten Produktprospekt geworden, mit freigestellten Geräten auf neu fotografierten Untergründen.

Genug gelesen. Jetzt wird gemacht.

Freistellen, Hintergründe, Satz — bis zur Druckdatei.