Es geht nicht darum, dass Arbeit kostet
Vorweg, damit kein falscher Eindruck entsteht: Gestaltung kostet Geld. Reinzeichnung kostet Geld. Wer eine Produktmappe baut, sitzt Tage daran, und das darf sich in einer Rechnung wiederfinden. Dieser Text handelt nicht von Preisen. Er handelt von Positionen, bei denen der Kunde etwas anderes bekommt, als er zu bekommen glaubt.
Die meisten dieser Abkürzungen sind nicht verboten und oft nicht einmal unüblich. Manche sind schlicht Handwerk. Der Unterschied liegt an drei Stellen, und mit denen lässt sich fast jede Position prüfen:
- Benannt. Steht im Angebot, was gemacht wird, und was es kostet — vorher, nicht im Nachtrag?
- Übertragen. Gehört hinterher Ihnen, was Sie bezahlt haben: Daten, Rechte, Zugänge?
- Verlassbar. Kommen Sie ohne Schaden wieder heraus, wenn die Zusammenarbeit endet?
Wo alle drei stimmen, ist eine Position sauber, auch wenn sie teuer ist. Wo eine fehlt, wird es unangenehm — meistens erst Jahre später.
Zwölf Klassiker, sortiert nach Urteil
Die folgende Liste ist keine Anklage. Vier der zwölf Punkte machen wir selbst so ähnlich, und sie sind völlig in Ordnung. Filtern Sie nach Urteil oder lesen Sie alles.
In Ordnung
Fremdkosten werden weitergereicht
Druck, Bildlizenzen, Klickbudget, Versandtool: Diese Beträge zahlen Sie ohnehin. Dass sie über die Agentur laufen, spart Ihnen Abstimmung und ist völlig normal.
Prüfen SieOb die Fremdkosten als eigene Position stehen und nicht in einer Sammelzeile verschwinden.
In Ordnung
Ein fertiger Baustein wird eingesetzt
Für ein Kontaktformular oder eine Bildergalerie gibt es fertige, freie Bausteine. Sie zu kennen, auszuwählen, einzurichten und abzusichern ist echte Arbeit — und die darf berechnet werden.
Prüfen SieOb die Position „Einrichtung“ heißt und nicht „Entwicklung“. Der Unterschied ist ehrlich benennbar.
In Ordnung
Die Druckerei zahlt eine Vermittlung
Viele Druckereien geben dem Vermittler einen Nachlass. Das ist seit jeher Branchenpraxis und muss niemanden stören, solange klar ist, dass es ihn gibt.
Prüfen SieFragen Sie einmal direkt: Bekommen Sie von der Druckerei etwas zurück? Eine klare Antwort klärt alles.
In Ordnung
Stockmaterial für Stimmungsbilder
Für ein Symbolbild im Newsletter oder eine Hintergrundfläche ist gekauftes Material sinnvoll und günstiger als ein Fototermin.
Prüfen SieAuf wen die Lizenz läuft — und dass sie nicht für Ihre Produkte verwendet wird.
Kommt drauf an
Handling-Gebühr auf die Druckrechnung
Auf die Rechnung der Druckerei kommen zehn oder fünfzehn Prozent obendrauf. Für Datenkontrolle, Andruckfreigabe und Reklamation ist ein Aufwand berechtigt — nur ist das dann eine Leistung und kein Prozentsatz auf fremdes Geld.
Prüfen SieOb der Aufschlag im Angebot steht. Wenn er erst auf der Rechnung auftaucht, war er nicht vereinbart.
Kommt drauf an
Zwei Korrekturschleifen inklusive
Eine Begrenzung ist verständlich, sonst wird aus einem Entwurf eine Endlosschleife. Unangenehm wird es, wenn nirgends steht, was eine Schleife ist — und ob eine korrigierte Rechtschreibung schon eine verbraucht.
Prüfen SieWas eine Schleife umfasst, was jede weitere kostet, und ob eigene Fehler der Agentur mitzählen.
Kommt drauf an
Wartungspauschale für die Website
Updates, Sicherungen und ein jährlicher Technik-Check sind ihr Geld wert. Fragwürdig wird es, wenn die Pauschale läuft und im Jahr nichts passiert außer einem automatischen Update.
Prüfen SieLassen Sie sich einmal im Jahr aufschreiben, was tatsächlich gemacht wurde. Zwei Sätze reichen.
Kommt drauf an
„Konzept: 12 Stunden“
Konzeptarbeit ist real. Aber eine Zeile mit Stundenzahl und ohne Ergebnis ist nicht prüfbar — weder von Ihnen noch von Ihrem Steuerberater.
Prüfen SieWas am Ende der zwölf Stunden auf dem Tisch liegt, das Sie einem Dritten zeigen können.
Finger weg
Das gekaufte Logo als Eigenentwurf
In der Ideenphase liegen drei Zeichen auf dem Tisch, eines davon stammt aus einer Vorlagendatenbank und wurde in der Farbe geändert. Sie zahlen Entwurfsstunden für etwas, das für vierzig Euro zu haben war — und das dieselbe Vorlage einem Betrieb zwei Landkreise weiter genauso verkauft.
Prüfen SieLassen Sie sich die Skizzen zeigen, aus denen das Zeichen entstanden ist. Wer selbst gezeichnet hat, hat sie. Und prüfen Sie, ob es beim Amt überhaupt schutzfähig wäre.
Finger weg
Stockfoto statt Ihrer Maschine
Im Prospekt steht ein Gerät, das Sie nicht bauen, in einer Halle, die Ihnen nicht gehört. Ihre Kundschaft erkennt das sofort, weil sie diese Geräte täglich sieht. Danach ist die ganze Mappe unglaubwürdig.
Prüfen SieJedes Produktbild: eigenes Gerät oder gekauft? Wie man mit dem Handy brauchbare Aufnahmen bekommt, steht bei uns im Text über Werkshof-Fotos.
Finger weg
Die offenen Daten bleiben im Haus
Sie bekommen ein PDF, die Arbeitsdatei nicht. Beim nächsten Datenblatt sind Sie wieder da, wo Sie waren — nicht weil die Arbeit gut war, sondern weil es keinen Weg heraus gibt.
Prüfen SieVereinbaren Sie vor dem Auftrag, dass Sie die offenen Daten und die Schriftlizenzen bekommen. Danach ist es zu spät.
Finger weg
Domain und Zugänge laufen auf die Agentur
Die Adresse Ihrer Firma, der Hosting-Vertrag, das Google-Konto: alles auf fremden Namen. Wer wechseln will, verhandelt plötzlich über seinen eigenen Firmennamen im Netz.
Prüfen SieRufen Sie den Hoster an und fragen Sie, wer als Inhaber eingetragen ist. Das dauert zwei Minuten.
Keine Aufzählung einzelner Häuser, sondern Muster, die uns bei Übernahmen immer wieder begegnen.
Warum das passiert
Bei den meisten dieser Punkte steckt keine Absicht dahinter, sondern Bequemlichkeit unter Termindruck. Das gekaufte Zeichen entsteht am Abend vor der Präsentation, weil drei Entwürfe versprochen waren und zwei fertig sind. Die Datei bleibt im Haus, weil nie jemand danach gefragt hat. Der Aufschlag auf die Druckrechnung steht seit acht Jahren so in der Vorlage.
Dazu kommt der Kostenblock, den ein Haus mit Personal und Büro jeden Monat trägt — wir haben ihn im Text über Agentursprech einmal aufgeschlüsselt. Wer Auslastung sichern muss, greift eher zu Positionen, die sich leicht rechtfertigen lassen. Das erklärt das Verhalten und entschuldigt es nicht, denn die Rechnung trägt am Ende jemand anderes.
Wie wir es halten
Wir sind nicht billig. Unsere Preise stehen offen auf der Preisübersicht, und bei manchen Positionen sind wir teurer als andere. Was wir dafür nicht tun: Wir schlagen auf Fremdkosten nichts auf. Druck, Bildlizenzen, Klickbudget, Hosting und Domains zahlen Sie zu dem Preis, zu dem wir sie einkaufen — das steht so auch in unseren Häufigen Fragen und gilt ohne Ausnahme.
Offene Daten und Schriftlizenzen gehören Ihnen, sobald die Rechnung bezahlt ist. Domain, Hosting und Konten laufen auf Ihren Namen, auch wenn wir sie einrichten. Wenn wir einen fertigen Baustein einsetzen, steht Einrichtung im Angebot und nicht Entwicklung. Und wenn wir ein Zeichen zeichnen, können wir jede Skizze zeigen, die dazu geführt hat.
Was wir ebenfalls nicht haben: Verträge. Sie bekommen ein Angebot auf einer Seite mit Leistung, Preis und Laufzeit, Sie schreiben zurück, dass es passt, und dann wird gearbeitet. Monatspakete sind monatlich kündbar, Projekte zum Festpreis haben ohnehin keine Laufzeit. Schriftlich wird es nur da, wo das Gesetz es verlangt — etwa beim Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 der Datenschutz-Grundverordnung, sobald wir Adressen für einen Newsletter verarbeiten. Der muss sein, und den bekommen Sie unaufgefordert.
Das ist kein moralischer Vorsprung, sondern eine kaufmännische Entscheidung. Wer nur bleibt, weil ein Vertrag läuft, bleibt nicht lange, und wer wegen einer versteckten Position geht, kommt nicht wieder. Der ehrbare hanseatische Kaufmann hat das vor dreihundert Jahren mit einem Handschlag geregelt und sich daran gehalten, weil sein Ruf mehr wert war als der einzelne Auftrag. In einem Markt, in dem sich alle kennen, ist das keine Nostalgie, sondern die günstigste Form der Kundenbindung.
Genug gelesen. Jetzt wird gemacht.
Angebot auf einer Seite, keine Aufschläge auf Fremdkosten, Daten und Zugänge gehören Ihnen.