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Großraumbüro eines Callcenters bei Nacht mit langen Reihen gleicher Arbeitsplätze

Meinung · Akquise

Das Callcenter-
Fließband.

Wer im Akkord telefonieren lässt, kauft keine Termine, sondern verbrennt einen Markt, in dem sich alle kennen. Warum billige Massenanrufe teurer sind als gar keine Akquise.

Den Anruf kennt jeder

Es klingelt im Büro. Eine Stimme, die den Firmennamen falsch betont, fragt nach dem Geschäftsführer. Auf die Frage, worum es geht, kommt: „Das kann ich Ihnen nur persönlich sagen, es dauert auch wirklich nur zwei Minuten.“ Wer nachhakt, merkt in Sekunden, dass der Anrufer nicht weiß, was die Firma herstellt.

Vier Wochen später ruft dieselbe Nummer wieder an. Anderer Name, gleicher Satz. Beim dritten Mal sagt die Dame am Empfang schon während der Begrüßung, dass kein Interesse besteht, und legt auf.

Was dabei niemand mitbekommt: Am anderen Ende saß kein Glücksritter, sondern eine Dienstleistung, die jemand gebucht hat. Und der Name, der beim Angerufenen hängen bleibt, ist nicht der des Callcenters. Es ist der Name des Herstellers, für den angerufen wurde.

Das Fließband ist kein Zufall, es ist das Preismodell

Massenakquise verhält sich so, weil sie so bezahlt wird. Wer je Termin abrechnet, hat genau ein Interesse: viele Termine. Ob der Angerufene tatsächlich Bedarf hat, ob er kaufen darf, ob er überhaupt in der richtigen Branche arbeitet, spielt für die Rechnung des Anrufers keine Rolle. Ein Termin ist ein Termin.

Daraus folgt alles Weitere. Bei 100 bis 150 Wählversuchen am Tag bleiben rechnerisch keine drei Minuten je Betrieb — zu wenig, um sich vorzubereiten, und zu wenig, um zuzuhören. Das Skript ersetzt die Vorbereitung. Wer heute für einen Verdichter-Hersteller telefoniert, telefoniert morgen für einen Versicherungsmakler; Fachwissen wäre in dem Modell eine Fehlinvestition. Und weil das Nein nur Zeit kostet, wird es nicht notiert, sondern übergangen. Deshalb ruft in vier Wochen wieder jemand an.

Das ist keine Bösartigkeit, sondern die logische Folge einer Vorgabe. Genau wie bei den Agentursätzen, die wir an anderer Stelle aufgeschlüsselt haben: Wer wissen will, warum sich jemand so verhält, muss auf die Rechnung schauen, nicht auf den Charakter.

Ihr Markt ist kleiner, als das Fließband denkt

Ein Callcenter arbeitet mit der Annahme, dass hinter jeder verbrannten Adresse zehn neue warten. Im Konsumgeschäft stimmt das. In Ihrem Markt nicht.

Wer Anbauverdichter, Schnellwechsler oder Verbaugeräte verkauft, hat im deutschsprachigen Raum je nach Zuschnitt einige hundert bis wenige tausend in Frage kommende Betriebe. Rechnen Sie einmal durch, wie schnell eine Kolonne mit 300 Anrufen im Monat da durch ist.

Rechnen Sie mit

Wie schnell ein kleiner Markt einmal durch ist

Angenommen, es wird mit 300 Wählversuchen im Monat gearbeitet — die übliche Größenordnung eines Vollzeit-Platzes.

800

2,7

Monate, bis jeder Betrieb einmal angerufen wurde

9,0

mal wird derselbe Betrieb in zwei Jahren angerufen

81

Tage Abstand zwischen zwei Anrufen bei demselben Betrieb

Danach fängt die Liste wieder von vorne an. Genau da liegt der Unterschied — nicht in der Zahl der Anrufe, sondern darin, ob das erste Nein irgendwo notiert wurde. Der Betrieb, der beim ersten Mal freundlich abgesagt hat, hört beim vierten Mal auf, freundlich zu sein.

Schema mit runden Annahmen, keine Messwerte. Gerechnet ohne Doppelanwahl bei Nichterreichen — in der Praxis geht es schneller, nicht langsamer.

Und anders als im Konsumgeschäft kennen sich die Leute hier. Auf der Messe, im Verband, in derselben Einkaufsgemeinschaft. Ein Bauleiter, der drei Anrufe in einem Jahr bekommen hat, erzählt das beim Kaffee weiter. Danach ist Ihr Name nicht unbekannt, sondern negativ belegt — und das ist der schlechtere Zustand von beiden.

Was der Schaden wirklich kostet

Der Preis steht nicht auf der Rechnung des Callcenters. Er taucht auf, wenn Ihr eigener Außendienst ein Jahr später anruft und „Mit Ihnen hatten wir schon mal was“ zu hören bekommt, ohne dass jemand sagen kann, was genau. Er taucht auf, wenn eine Adresse aus der Liste fällt, die eigentlich Ihr bester Kunde hätte werden können. Und er taucht auf, wenn Ihr Vertrieb Termine bekommt, die keine sind: Der Angerufene hat zugesagt, um das Gespräch zu beenden.

Diese Termine sind teurer als gar keine. Ein Außendienstler fährt zweihundert Kilometer, sitzt vierzig Minuten bei jemandem, der weder Budget noch Bedarf hat, und fährt zurück. Das ist ein verlorener Tag, und es passiert dem, der am wenigsten dafür kann. Nach dem dritten solchen Termin glaubt Ihr Vertrieb keiner Akquise mehr — auch keiner guten.

Woran Sie den Unterschied erkennen

Es gibt keinen Trick, um seriöse Telefonakquise von einem Fließband zu unterscheiden. Es gibt aber fünf Fragen, die vor dem Vertrag geklärt sein sollten — und die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.

Links: was Sie hören, wenn im Akkord telefoniert wird. Rechts: was ein sauberes Angebot dazu sagt.
Ihre Frage Fließband Handarbeit
Wer telefoniert konkret? wechselnde Kräfte, oft im Ausland, nach Verfügbarkeit feste Personen, die Sie kennenlernen und hören können
Wie wird abgerechnet? je Termin — also je Zusage, egal welcher je Zeit, mit vereinbarter Zahl an Anrufen
Wie viele Anrufe am Tag? 100 und mehr, Vorbereitung inbegriffen 15 bis 20, mit Recherche vor jedem Gespräch
Was bekomme ich nach dem Anruf? Adresse, Datum, Terminvorschlag Gesprächsnotiz: was gesagt wurde, was fehlt, wie die Stimmung war
Was passiert nach einem Nein? nächste Nummer, kein Vermerk Grund und Datum notiert, Wiedervorlage oder Sperrvermerk

Die zweite Spalte ist nicht die teurere, sie ist die langsamere. Fünfzehn vorbereitete Gespräche am Tag klingen nach wenig, bis man nachrechnet, was aus hundert unvorbereiteten wird. Wie dieser Trichter aussieht, steht im Leitfaden zur Kaltakquise; warum wir Termine ohne Budget und Bedarf ablehnen, im Text über BANT.

Und rechtlich?

Im geschäftlichen Bereich ist Telefonakquise zulässig, wenn eine mutmaßliche Einwilligung vorliegt — wenn also ein sachliches Interesse des angerufenen Unternehmens am Angebot vermutet werden darf. Dieser Maßstab wird schwer haltbar, sobald jemand eine gekaufte Liste ohne Branchenbezug abtelefoniert. Wer das beauftragt, trägt das Ergebnis mit seinem Namen — unabhängig davon, wer gewählt hat.

Wie wir es halten

Bei uns telefonieren feste deutsche Muttersprachlerinnen, die seit Jahren für Industriebetriebe anrufen. Vor jedem Gespräch wird recherchiert: Was baut der Betrieb, welche Geräte stehen auf dem Hof, wer entscheidet. Nach jedem Gespräch steht eine Notiz im System — nicht nur das Ergebnis, sondern auch, wie das Gespräch lief.

Wir rechnen nach Zeit ab, nicht nach Terminen. Das klingt nach einem Detail und ist der eigentliche Unterschied: Niemand bei uns hat einen Vorteil davon, Ihnen einen Termin zu verkaufen, der nichts wird. Wenn eine Liste nicht trägt, sagen wir das nach vier Wochen — auch wenn danach weniger Rechnung übrig bleibt.

Und wenn ein Betrieb kein Interesse hat, wird das notiert, mit Grund und Datum. Manche dieser Betriebe melden sich zwei Jahre später von selbst. Die, bei denen dreimal jemand angerufen hat, melden sich nie. Wie das bei uns im Alltag läuft, steht im Leitfaden Kaltakquise ist Menschensache.

Genug gelesen. Jetzt wird gemacht.

Feste Anruferinnen, Abrechnung nach Zeit, Gesprächsnotiz statt Adressliste.