Worum es hier nicht geht
Nicht darum, dass WordPress schlecht wäre. Es hält einen großen Teil des Netzes am Laufen, und für viele Aufgaben ist es die richtige Wahl. Es geht um die Frage, die uns Industriekunden tatsächlich stellen: Was ist der Unterschied, und was merke ich davon?
Was beim Aufruf passiert
Der Unterschied steckt in einem einzigen Vorgang. Ruft jemand eine WordPress-Seite auf, startet PHP, fragt die Datenbank nach Inhalten, lädt das Theme, lässt jedes aktive Plugin seinen Teil beisteuern und setzt daraus eine HTML-Seite zusammen. Damit das nicht bei jedem Besucher passiert, legt ein Caching-Plugin das Ergebnis ab und liefert beim nächsten Mal die Kopie aus.
Bei einer handgebauten Seite entfällt der Vorgang. Die HTML-Datei liegt fertig auf dem Server und wird ausgeliefert. Kein PHP, keine Datenbank, kein Cache, der irgendwann eine veraltete Fassung ausgibt. Das ist der ganze Trick, und alles Weitere folgt daraus.
Was diese Seite hier wiegt
Gemessen an der Seite, die Sie gerade lesen — Werte aus dem Browser, nicht aus einem Prospekt:
- 11 Anfragen insgesamt, davon sechs für Schriften, die wir selbst ausliefern. Kein einziger Aufruf geht an einen fremden Server.
- Ein Stylesheet für die gesamte Website, 25 KB komprimiert.
- Eine JavaScript-Datei, 13 KB komprimiert. Darin steckt alles: Menü, Quiz, Formular, Animationen.
- 8 KB komprimiertes HTML für diesen Artikel.
- Kein Plugin, keine Datenbank, kein Tracker.
Fairerweise dazu: Die Startseite ist mit gut 2 MB deutlich schwerer, weil dort große Fotos liegen. Bilder sind auf jeder Website der dickste Posten, und daran ändert die Bauweise nichts. Was die Bauweise ändert, ist alles andere — und das sind bei uns 19 Anfragen für die komplette Startseite. Übernahmeprojekte, die wir uns ansehen, liegen dort regelmäßig beim Drei- bis Vierfachen, weil jedes Plugin sein eigenes CSS und sein eigenes Skript mitbringt.
Millisekunden nennen wir hier bewusst nicht. Die hängen von Hoster, Leitung und Gerät ab, und jeder Wert, den eine Agentur ohne diese Angaben nennt, ist Dekoration. Belastbar sind die Anzahlen: Anfragen, Dateien, Abhängigkeiten.
Wie sich das anfühlt
Der Ablauf nebeneinander. Links liegt die Seite fertig auf dem Server und wird ausgeliefert. Rechts muss sie erst entstehen, und danach melden sich Theme, Plugins und Skripte der Reihe nach.
Schematisch: die Reihenfolge, nicht die Millisekunden einer bestimmten Seite.
bereit
bereit
Der Vergleich
Links steht, was uns bei Übernahmen typischerweise begegnet. Rechts, wie es bei einer handgebauten Seite aussieht. Beides ohne Schönfärberei.
| Kriterium | WordPress | Handgebaut |
|---|---|---|
| Beim Seitenaufruf | PHP startet, fragt die Datenbank, lädt Theme und Plugins, baut die Seite zusammen | Der Server gibt eine fertige Datei aus |
| Abhängigkeiten | Core, Theme und meist 10 bis 30 Plugins | keine |
| JavaScript | jQuery plus das, was jedes Plugin mitbringt | eine Datei, 13 KB komprimiert |
| Updates | Core und Plugins laufend, danach prüfen, ob das Layout noch steht | nur, wenn sich am Inhalt etwas ändert |
| Angriffsfläche | Login, Datenbank, PHP, jedes einzelne Plugin | keine Anmeldung, keine Datenbank, kein PHP |
| Inhalte selbst pflegen | ja, im Backend | nein, läuft über uns |
| Umzug zu einem anderen Hoster | Datenbank exportieren, Pfade anpassen, testen | Dateien kopieren |
| Shop, Rollen, viele Autoren | dafür gebaut | dafür nicht gedacht |
| Laufende Kosten | Hosting mit PHP und Datenbank, Plugin-Lizenzen, Wartung | einfaches Hosting, Wartung |
Wann WordPress die bessere Wahl ist
Es gibt diese Fälle, und wir sagen das auch im Erstgespräch:
- Sie wollen selbst täglich Inhalte pflegen. Wenn in Ihrem Haus jemand sitzt, der Beiträge schreibt, Bilder tauscht und Seiten anlegt, dann braucht dieser Jemand ein Backend. Alles andere wäre Schikane.
- Sie brauchen einen Shop. Warenkorb, Zahlarten, Bestandsführung, Rechnungen — das baut niemand sinnvoll von Hand nach. Für diesen Fall führt der Weg allerdings selten über WordPress: Ein Shopsystem wie Shopify ist dafür gemacht, WordPress wird über ein Plugin erst dazu.
- Viele Autoren, Rollen, Freigaben. Sobald mehrere Leute mit unterschiedlichen Rechten an Inhalten arbeiten, brauchen Sie eine Redaktionsumgebung.
- Ein großer, wachsender Blog. Bei hunderten Beiträgen mit Kategorien und Suche spielt ein CMS seine Stärken aus.
Unsere Industriekunden haben meistens keinen dieser Fälle. Da stehen fünfzehn bis dreißig Seiten, die sich zweimal im Jahr ändern — ein neues Gerät, ein neuer Ansprechpartner, eine Stellenanzeige. Dafür ein System zu betreiben, das jede Woche Updates verlangt, ist ein schlechtes Geschäft.
Der Haken an der handgebauten Seite
Sie können nichts selbst ändern. Das klingt nach einem Nachteil und ist in der Praxis meistens keiner. Warum, steht hier: Im Betrieb kennt keiner die eigene Website — dort macht es ohnehin niemand. Aber Sie sollten es wissen, bevor Sie sich dafür entscheiden. Wenn Sie den Anspruch haben, um 22 Uhr selbst einen Absatz zu ändern, sind Sie bei uns falsch.
Die zweite Sache: Sie brauchen jemanden, der die Seite pflegt. Bei uns ist das der Wartungsvertrag ab 299 € im Monat. Bei WordPress brauchen Sie den auch — nur dass dort zusätzlich Plugin-Lizenzen und ein leistungsfähigerer Hoster dazukommen, weil PHP und Datenbank Leistung brauchen.
Wie wir entscheiden
Wir fragen im Erstgespräch drei Dinge: Wie oft ändert sich etwas auf der Seite? Wer soll es ändern? Und kommt ein Shop oder ein Portal dazu? Aus den Antworten ergibt sich das System fast von allein.
Kommt dabei WordPress heraus, sagen wir Ihnen das — und dass wir dann nicht die Richtigen sind. Wir bauen keine WordPress-Seiten, und warum das so ist, steht in einem eigenen Text: Warum wir kein WordPress bauen. Und wie eine handgebaute Seite tatsächlich entsteht, steht im Leitfaden Vom Entwurf zur fertigen Website.
Genug gelesen. Jetzt wird gemacht.
Struktur, Text, Design und Technik — und die Wartung danach.