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Mann Mitte fünfzig im Werkstattbüro telefoniert, den Hörer zwischen Schulter und Ohr, die freie Hand auf einem Ordner

Klartext · Vertrieb

„Wir haben schon
einen Lieferanten.“

Sechs Sätze, die am Telefon in fast jedem Gespräch fallen. Fünf davon klingen nach Nein und sind keins. Was dahintersteckt und welche Frage weiterführt — zum Durchspielen.

Der erste Satz ist ein Reflex

Wer am Telefon angerufen wird, weiß im ersten Moment nicht, worum es geht. Er hat den Hörer zwischen Schulter und Ohr, auf dem Bildschirm liegt etwas Halbfertiges, und jemand Fremdes fängt an zu reden. Was dann kommt, ist keine Entscheidung. Es ist eine Abwehrbewegung.

„Wir haben schon einen Lieferanten“ ist so eine Bewegung. „Kein Bedarf“ auch. Diese Sätze kommen, bevor der Angerufene weiß, ob er Bedarf hat — sie sind das Schloss an der Tür, nicht die Antwort auf die Frage. Wer sie als Urteil nimmt, bedankt sich und legt auf. Wer eine einzige sachliche Frage stellt, hört den zweiten Satz. Der zweite Satz ist die Wahrheit.

Zwischen diesen beiden Reaktionen liegt der Unterschied zwischen dreihundert Anrufen im Monat, aus denen drei Termine werden, und dreihundert Anrufen, aus denen sechs werden.

Vorweg

Drei Regeln, bevor es
an die Sätze geht.

  1. Nie gegen den bestehenden Lieferanten reden

    Wer das tut, zwingt den Angerufenen, eine Entscheidung zu verteidigen, die er selbst getroffen hat. Ab da geht es um sein Gesicht und nicht mehr um Ihr Produkt.

  2. Fragen, die etwas erfahren wollen — keine, die um etwas bitten

    „Darf ich Ihnen kurz erzählen…“ ist eine Bitte. „Wann steht so etwas bei Ihnen normalerweise an?“ ist eine Frage. Die eine erzeugt Höflichkeit, die andere Information.

  3. Kein nächster Schritt ohne Datum

    „Ich melde mich wieder“ ist kein Schritt. Der zwölfte September ist einer — und zwar einer, den der Angerufene selbst bestätigt hat.

Zum Durchspielen

Sechs Sätze, sechs Runden.

Ein Gespräch, wie es täglich stattfindet. In jeder Runde fällt einer der sechs Sätze, und Sie haben drei Möglichkeiten zu antworten. Keine davon ist falsch im Sinne von unhöflich — sie führen nur unterschiedlich weit. Danach steht da, was am Telefon tatsächlich passiert wäre.

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  1. Am anderen Ende

    „Wir haben schon einen Lieferanten.“

    • Kein Angriff auf den bestehenden Lieferanten — im Gegenteil, Sie geben ihm recht. Und die zweite Bezugsquelle ist seit den Lieferengpässen ein Thema, bei dem jeder Einkauf ein schlechtes Gewissen hat. Hier fängt das Gespräch erst an.

    • Er sagt Ja. Er muss Ja sagen — alles andere wäre ein Eingeständnis, dass er seit Jahren beim Falschen kauft. Das Gespräch ist an dieser Stelle zu Ende, und Sie haben es selbst geschlossen.

    • Er lässt Sie reden, aus Höflichkeit. Danach sagt er, er meldet sich. Sie haben zwei Minuten Sendezeit bekommen und nichts erfahren.

    Was der Satz heißt: fast nie „wir sind zufrieden“, sondern „es läuft, und Wechseln macht Arbeit“. Das ist kein Nein zu Ihnen, sondern ein Ja zur Bequemlichkeit.

  2. Am anderen Ende

    „Schicken Sie mal was rüber.“

    • Die Unterlagen gehen raus, landen im Ordner und werden nie geöffnet. Sie haben die höflichste Form der Absage für einen Erfolg gehalten und den Vorgang selbst geschlossen.

    • Jetzt muss er sich äußern, und was er sagt, ist Ihre Information. Danach kommt der zweite Teil, ohne den das Zuschicken wertlos ist: „Ich melde mich Donnerstag kurz, ob es passt.“

    • Neunzig Seiten ohne Bezug zu seinem Betrieb. Wer alles schickt, schickt nichts. Immerhin haben Sie eine Adresse.

    Was der Satz heißt: Das Gespräch soll enden, ohne dass jemand Nein sagen muss. Echt wird er erst, wenn danach ein Termin steht.

  3. Am anderen Ende

    „Kein Bedarf.“

    • Er nennt einen Zeitpunkt, um das Gespräch zu beenden. „Irgendwann nächstes Jahr“ ist keine Wiedervorlage, das ist eine höfliche Verabschiedung.

    • Sie tauschen ein Gespräch gegen eine E-Mail-Adresse, die in einem Verteiler versauert. Und Sie haben die Frage nicht gestellt, auf die es ankommt.

    • Die Frage zielt auf den Rhythmus des Betriebs, nicht auf einen Gefallen. Antworten wie „immer im Frühjahr, bevor die Saison anläuft“ sind das Wertvollste, was ein Anruf liefern kann.

    Was der Satz heißt: kein Bedarf heute. In der Industrie wird in Zyklen investiert — die Frage ist nie ob, sondern wann.

  4. Am anderen Ende

    „Dafür sind Sie zu teuer.“

    • Meistens kommt jetzt eine Zahl von einem anderen Anbieter, aus einer alten Anfrage oder von vor fünf Jahren. Erst wenn sie auf dem Tisch liegt, gibt es etwas zu besprechen — oft ist es ein anderer Leistungsumfang.

    • Behauptung gegen Behauptung. Er hat eine Zahl im Kopf, Sie haben eine andere, und keiner von beiden nennt sie.

    • Sie haben einen Rabatt angeboten, bevor klar ist, ob er überhaupt etwas will. Ab jetzt geht es nur noch um den Preis, und der Wettbewerber ist immer billiger.

    Was der Satz heißt: Wenn er fällt, bevor ein Preis genannt wurde, ist er kein Preiseinwand. Er ist der Wunsch, das Gespräch zu beenden.

  5. Am anderen Ende

    „Da muss ich Rücksprache halten.“

    • Nächste Woche weiß er nicht mehr, worum es ging, und der Kollege hat nie davon gehört. Sie fangen von vorne an.

    • Sie machen ihn zum Verbündeten statt zum Hindernis — und erfahren nebenbei, wer wirklich entscheidet. Das ist die wertvollste Information des ganzen Gesprächs.

    • Sie haben ihm gerade gesagt, dass er Sie nicht interessiert. Dabei hat er soeben angeboten, für Sie zu sprechen — das ist mehr wert als jedes Durchstellen.

    Was der Satz heißt: keine Absage, sondern eine Auskunft über das Entscheidergremium. Im Maschinen- und Gerätebau reden fast immer drei bis fünf Leute mit.

  6. Am anderen Ende

    „Rufen Sie im Herbst nochmal an.“

    • Ohne Datum passiert das nicht. Und falls doch, sitzt am anderen Ende jemand, der sich an nichts erinnert — dann ist es wieder ein Erstkontakt.

    • Besser, aber die Erinnerung nützt nur Ihnen. Er weiß im Herbst immer noch nicht, wer da anruft und warum.

    • Ein Datum, das er selbst bestätigt hat, ist ein halber Termin. Und der Anruf im September beginnt dann nicht mit „Guten Tag, mein Name ist…“, sondern mit „wie besprochen“.

    Was der Satz heißt: das einzige echte Ja unter den sechs Sätzen. Er wird nur dann eines, wenn ein Datum daraus wird.

Die Sätze sind aus echten Gesprächen, die Betriebe darin sind erfunden.

Die eine Frage, die fast immer weiterführt

Wann steht so etwas bei Ihnen normalerweise an? Diese Frage funktioniert bei fünf der sechs Sätze, und zwar aus einem einfachen Grund: Sie verlangt keine Entscheidung, sondern eine Auskunft über den eigenen Betrieb. Darauf antworten Menschen gern, weil sie sich dabei auskennen.

Was Sie bekommen, ist ein Zeitpunkt. Vor der Saison, nach dem Geschäftsjahr, wenn die alte Maschine in die Revision geht, wenn das Budget fürs nächste Jahr steht. Dieser Zeitpunkt ist mehr wert als jede Broschüre, die Sie hätten schicken können — er gehört in die Wiedervorlage, mit Datum und mit dem Satz, den er gesagt hat.

Wann es wirklich ein Nein ist

Beharrlich und lästig liegen näher beieinander, als den meisten lieb ist. Drei Anzeichen, bei denen Schluss ist: Der Angerufene wird deutlich. Er hat beim letzten Mal schon abgelehnt und begründet es nicht mehr. Oder er sagt, dass er keine Anrufe wünscht.

Dann wird das notiert, und zwar so, dass niemand aus dem Haus dort noch einmal anruft. Das ist nicht nur Anstand gegenüber jemandem, der klar gesprochen hat — die Branchen im Maschinenbau sind klein, und auf der nächsten Messe steht man sich gegenüber. Wer dort als die Firma bekannt ist, die dreimal im Quartal anruft, hat mehr verloren als einen Kontakt.

Ein sauber dokumentiertes Nein ist ein Ergebnis. Es ist die zweitbeste Antwort nach dem Termin und allemal besser als ein Vorgang, der ewig offen bleibt. Das gilt am Telefon genauso wie beim Nachfassen von Angeboten.

Gute Akquise ist Organisation, kein Talent

Von außen sieht Telefonakquise nach Begabung aus: Der eine kann reden, der andere nicht. In Wirklichkeit besteht die Arbeit aus drei Dingen, die nichts mit Charme zu tun haben. Einer Liste, auf der nur Betriebe stehen, für die das Produkt überhaupt in Frage kommt. Einer Notiz nach jedem Gespräch, in der steht, was gesagt wurde — nicht nur das Ergebnis, sondern der Satz. Und einem Datum, an dem der nächste Schritt fällig ist.

Wer diese drei Dinge führt, wird nach ein paar Monaten besser, weil er sieht, welche Antwort wohin führt. Wer sie nicht führt, telefoniert nach fünf Jahren noch genauso wie am ersten Tag. Wie das bei uns abläuft — Recherche vor dem Anruf, Protokoll danach, Wiedervorlage nach dem Urteil der Anruferin — steht im Leitfaden zur Telefonakquise. Was aus dreihundert Anrufen im Monat wird und was ein geprüfter Termin kostet, steht in Was kostet Kaltakquise.

Zum Mitnehmen

Sechs Sätze, sechs Fragen. Wenn Ihr Vertrieb morgen telefoniert, ist das der ganze Spickzettel.

  1. „Wir haben schon einen Lieferanten.“

    Haben Sie für Engpässe noch einen zweiten an der Hand?

  2. „Schicken Sie mal was rüber.“

    Was davon ist bei Ihnen ein Thema? — und dann ein Datum für den Rückruf.

  3. „Kein Bedarf.“

    Wann steht so etwas bei Ihnen normalerweise an?

  4. „Dafür sind Sie zu teuer.“

    Womit vergleichen Sie gerade?

  5. „Da muss ich Rücksprache halten.“

    Wer schaut da mit drauf? Dann bereite ich es zum Weitergeben vor.

  6. „Rufen Sie im Herbst nochmal an.“

    Passt Ihnen die zweite Septemberwoche?