Der Satz stimmt
Wenn Sie in einem Maschinen- oder Metallbaubetrieb fragen, wer die wichtigen Kunden gewonnen hat, bekommen Sie fast immer dieselbe Antwort: der Chef. Das ist weder Höflichkeit gegenüber dem Inhaber noch eine Erinnerungslücke. Es stimmt einfach.
Vier Dinge kann er, ein angestellter Verkäufer nicht. Er kennt das Produkt bis in die Fertigung hinein und weiß deshalb sofort, ob die Sonderlänge machbar ist oder den Liefertermin sprengt. Er darf entscheiden: über den Preis, die Zahlungsziele und darüber, ob man ein Gerät für zwei Wochen zum Testen hinstellt. Er sitzt beim Kunden dem Geschäftsführer gegenüber und nicht dem Einkauf. Und man glaubt ihm, wenn er sagt, dass etwas geht, weil er derjenige ist, der es hinterher ausbaden muss.
Das ist ein echter Vorteil, und kein Vertriebstraining der Welt bringt einem Angestellten diese vier Dinge bei. Nur folgt daraus etwas, an das beim Loben selten jemand denkt.
Vertrieb ist dann keine Aufgabe mehr, sondern eine Person
Solange der Inhaber der beste Verkäufer ist, wird niemand sonst ernsthaft verkaufen. Warum auch — er macht es ja besser. Der Neukundenvertrieb wandert damit auf einen Schreibtisch, auf dem schon die Kalkulation liegt, die Reklamation von gestern, das Gespräch mit dem Lieferanten und die Frage, warum die Maschine in Halle zwei seit Dienstag steht.
Alles davon ist dringend. Neukundengewinnung ist es nie. Sie hat keinen Termin, niemanden, der wartet, und keine Folge, wenn sie diese Woche ausfällt. Also bleibt sie liegen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil dringend in jedem Kalender gegen wichtig gewinnt — dieselbe Rechnung, die auch einen angestellten Verkäufer eingehende Anfragen liegen lassen lässt.
Bis die Auftragslage kippt. Dann wird sie schlagartig beides.
Der Sägezahn
Was daraus entsteht, sieht in jedem Betrieb gleich aus. Akquise beginnt, wenn die Auslastung fällt. Sie wirkt aber nicht sofort: Zwischen dem ersten Anruf und dem unterschriebenen Auftrag liegen im Investitionsgeschäft sechs bis zwölf Monate, und daran lässt sich nichts drehen. Der Betrieb telefoniert also im Tal und bekommt die Aufträge, wenn er sie am wenigsten braucht — woraufhin die Anrufe wieder aufhören.
Zwölf Monate
Auslastung gegen Akquise
Auslastung der Fertigung Aufwand für Neukunden
- Auslastung 92 Prozent Akquise 0 Prozent 1 Die Bücher sind voll. Für Akquise ist keine Zeit, und es fehlt auch niemandem.
- Auslastung 95 Prozent Akquise 0 Prozent 2 Zwei Großaufträge laufen. Der Vertrieb besteht aus Nachliefern.
- Auslastung 89 Prozent Akquise 0 Prozent 3 Ein Interessent meldet sich von selbst. Das fällt niemandem als Zufall auf.
- Auslastung 85 Prozent Akquise 4 Prozent 4 Der erste Auftrag läuft aus. Noch kein Grund zur Unruhe.
- Auslastung 67 Prozent Akquise 22 Prozent 5 Die Lücke wird sichtbar. Der Chef ruft drei alte Kontakte an.
- Auslastung 51 Prozent Akquise 86 Prozent 6 Jetzt ist es dringend. Zwei Wochen lang wird nichts anderes gemacht.
- Auslastung 43 Prozent Akquise 92 Prozent 7 Erste Termine stehen. Angebote gehen raus. Entschieden ist nichts.
- Auslastung 40 Prozent Akquise 68 Prozent 8 Die Entscheidung liegt beim Kunden. Der Kaufzyklus lässt sich nicht kürzen.
- Auslastung 47 Prozent Akquise 41 Prozent 9 Zwei Angebote werden zu Aufträgen. Die Fertigung braucht Vorlauf.
- Auslastung 64 Prozent Akquise 17 Prozent 10 Es geht wieder aufwärts. Der Druck fällt ab, die Anrufe hören auf.
- Auslastung 82 Prozent Akquise 6 Prozent 11 Fast normal. Der Kalender ist wieder voll mit anderem.
- Auslastung 91 Prozent Akquise 0 Prozent 12 Ausgangslage erreicht. Von vorn.
- Auslastung 88 Prozent Akquise 24 Prozent 1 Auch bei voller Auslastung laufen Anrufe. Zwei Stunden in der Woche.
- Auslastung 84 Prozent Akquise 27 Prozent 2 Die Liste wird gehalten, nicht neu erfunden. Wiedervorlagen stehen im CRM.
- Auslastung 86 Prozent Akquise 22 Prozent 3 Ein Termin je Woche. Nicht jeder führt zu etwas.
- Auslastung 79 Prozent Akquise 29 Prozent 4 Der erste Auftrag läuft aus — und im Trichter liegt schon Ersatz.
- Auslastung 74 Prozent Akquise 31 Prozent 5 Die Lücke entsteht, aber sie ist halb so tief.
- Auslastung 77 Prozent Akquise 26 Prozent 6 Ein Angebot aus Monat drei wird angenommen.
- Auslastung 81 Prozent Akquise 21 Prozent 7 Kein Ausschlag nach unten, also auch keine Panik.
- Auslastung 78 Prozent Akquise 28 Prozent 8 Der Chef führt nur noch die Gespräche, bei denen es auf ihn ankommt.
- Auslastung 83 Prozent Akquise 23 Prozent 9 Zwei Neukunden im Jahr reichen für den Ausgleich.
- Auslastung 87 Prozent Akquise 20 Prozent 10 Planbare Fertigung. Der Einkauf kann disponieren.
- Auslastung 85 Prozent Akquise 25 Prozent 11 Preise lassen sich halten — man muss den Auftrag nicht nehmen.
- Auslastung 89 Prozent Akquise 22 Prozent 12 Zwölfter Monat, ähnliche Höhe wie im ersten.
Schematische Darstellung, keine Messwerte. Die Höhe der Ausschläge ist das Problem, nicht ihr Durchschnitt: Im Tal wird zu jedem Preis verkauft, auf dem Berg wird abgelehnt, was später fehlt.
Mit laufender Akquise sieht dieselbe Kurve anders aus. Das ist kein größerer Betrieb mit eigener Vertriebsabteilung — es ist derselbe Betrieb, in dem zwei Stunden in der Woche auch dann telefoniert wird, wenn die Bücher voll sind. Die Auslastung schwankt weiter, jede Fertigung tut das. Aber sie fällt nie unter die Marke, ab der man jeden Auftrag nehmen muss. Der Unterschied im Jahresumsatz ist kleiner, als man denkt. Der Unterschied in der Verhandlungsposition ist gewaltig: Wer Aufträge braucht, verhandelt anders als jemand, der ablehnen kann.
Der erste Verkäufer scheitert fast immer
Irgendwann wird der Druck groß genug, und der Betrieb stellt jemanden ein. Nach zwölf bis achtzehn Monaten trennt man sich wieder, meistens im gegenseitigen Einvernehmen und mit dem Fazit, dass es eben doch am Chef hängt.
Das liegt selten am Verkäufer. Er kommt in einen Betrieb, in dem der Vertrieb nie aufgeschrieben wurde, weil ihn immer dieselbe Person im Kopf hatte. Es gibt keine Zielkundenliste, keine Preisgrenze, bis zu der er selbst entscheiden darf, und keine Beschreibung, was ein guter Kunde ist und was einer, den man besser gehen lässt. Fragt er nach, kostet das den Chef Zeit — und der macht es dann schneller selbst.
Dazu bekommt der Neue die Kunden, die noch niemand betreut, also die kleinen. Gemessen wird er trotzdem an einem Umsatz, den der Chef mit gewachsenen Beziehungen macht. Nach einem halben Jahr steht er auf einem Drittel und weiß, dass das nicht reicht.
Wer einen Verkäufer einstellt, bevor der Vertriebsweg beschrieben ist, kauft sich das Problem ein zweites Mal. Erst kommt die Beschreibung, dann die Person — was eine eigene Kraft im Vergleich zu einer externen kostet, steht im Text über die drei Modelle.
Was nur der Chef kann — und was nicht
Die Lösung ist nicht, dass der Inhaber aufhört zu verkaufen. Das wäre Verschwendung, denn er ist wirklich der Beste. Sie besteht darin, ihn erst dort einzusetzen, wo es auf ihn ankommt.
Ein Neukundengeschäft besteht aus sechs Abschnitten. In vieren davon ist der Chef ersetzbar, in zweien nicht.
Welche Betriebe kommen als Kunde in Frage, wer sitzt dort auf der Stelle, um die es geht, und ist die Ausstattung so, dass sich ein Anruf lohnt. Das ist Recherche, keine Verkaufsarbeit.
Neun von zehn Gesprächen enden ohne Ergebnis, die meisten mit einem Satz, der nach Nein klingt und keins ist. Dieser Teil kostet die meiste Zeit und braucht am wenigsten Fachwissen — er braucht Geduld und einen ordentlichen Vermerk danach.
Wer sitzt mit am Tisch, welche Maschine steht dort, was wurde am Telefon gesagt. Eine halbe Seite reicht — sie entscheidet aber, ob der Chef vorbereitet hinfährt oder mit dem Prospekt.
Hier zahlt sich alles aus, was ihn zum besten Verkäufer macht: die technische Antwort ohne Rückfrage im Haus, die Zusage, die er halten kann, und der Umstand, dass ihm der andere Inhaber glaubt.
Was nachgelassen und was zugesagt wird, wo die Grenze liegt. Wer das abgeben will, muss vorher aufschreiben, bis wohin — sonst ist es keine Delegation, sondern eine Rückfrage.
Das Angebot liegt seit drei Wochen. Der Anruf dauert zehn Minuten und findet trotzdem nicht statt, weil er unangenehm ist. Er gehört jemandem, der ihn als Aufgabe hat und nicht als Zumutung.
Rechnen Sie einmal nach, wie viele Stunden auf die vier Abschnitte entfallen, in denen der Inhaber nicht gebraucht wird. In den Betrieben, mit denen wir arbeiten, sind es vier von fünf.
Was es kostet, wenn es so bleibt
Der offensichtliche Preis ist der entgangene Umsatz aus den Monaten, in denen niemand angerufen hat. Der ist schwer zu beziffern, also lässt man es.
Die beiden anderen sind konkreter. Der erste ist die Verhandlungsposition: Ein Betrieb im Auslastungstal nimmt Aufträge an, die er auf dem Berg abgelehnt hätte — und zu Preisen, die dort nie durchgehen. Diese Aufträge belegen dann die Kapazität, wenn die guten kommen.
Der zweite betrifft den Betrieb als Ganzes. Ein Unternehmen, dessen Kundenbeziehungen ausschließlich im Kopf des Inhabers liegen, ist bei Verkauf und Übergabe deutlich weniger wert als eines mit dokumentiertem Vertrieb. Das fällt niemandem auf, solange der Inhaber gesund ist und bleiben will. Wer in zehn Jahren übergeben möchte, sollte heute damit anfangen, weil eine Zielkundenliste und ein CRM, in dem jedes Gespräch steht, nicht in einem Quartal entstehen.
Der Chef gehört ans Ende des Vertriebswegs.
Nicht an den Anfang.
Wann der Chef recht hat
Es gibt Fälle, in denen die Konzentration auf den Inhaber richtig ist, und die sollte man nicht wegdiskutieren.
Wenn der Markt aus zwanzig Betrieben besteht und der Inhaber alle zwanzig persönlich kennt, braucht niemand eine Zielkundenliste. Wenn ein einzelner Auftrag im hohen sechsstelligen Bereich liegt und es zwei davon im Jahr gibt, ist der Aufwand für einen Vertriebsablauf schwer zu rechtfertigen. Wenn das Produkt noch in Entwicklung ist und sich jeden Monat ändert, verkauft es tatsächlich nur, wer es baut.
Und wenn der Inhaber gern verkauft, spricht nichts dagegen, dass er es weiter tut. Es ändert nur nichts daran, dass die vier Abschnitte oben Zeit fressen, die er lieber im Gespräch beim Kunden verbringen würde.
Warum wir das schreiben
Weil wir in fast jedem Erstgespräch dieselbe Geschichte hören: Der Inhaber hat die wichtigen Kunden selbst gewonnen, und seit zwei Jahren ist keiner dazugekommen. Nicht, weil der Markt fehlt, sondern die Zeit. Meistens weiß er das selbst — er kommt nur nicht dazu, etwas daran zu ändern, weil die vier Abschnitte vor dem Termin niemandem gehören.
Diese vier übernehmen wir für Industriebetriebe: die Zielkundenliste, die Anrufe, die Terminvorbereitung und das Nachfassen. Was wir dabei hören, steht danach im CRM — einschließlich dessen, was zwischen den Zeilen gesagt wurde. Der Chef bekommt den vorbereiteten Termin und führt das Gespräch, in dem er der Beste ist. Wie das abläuft, steht auf der Seite über unsere Telefonarbeit, und was ein Termin dabei kostet, haben wir auf der Kostenseite durchgerechnet.
Ob das zu Ihnen passt, zeigt sich schnell. Wenn Sie die Kurve oben wiedererkannt haben, lohnt sich ein Gespräch. Wenn bei Ihnen der Vertrieb auch ohne den Inhaber läuft, brauchen Sie uns nicht — und das ist die beste aller Antworten.
Genug gelesen. Jetzt wird gemacht.
Ein Anruf. Danach wissen Sie, wie viele Betriebe für Sie in Frage kommen und was ein Termin bei Ihnen kosten würde.